Sie sind die wohl wichtigsten Einstellungen an deiner Kamera und eine technische Grundlage, um die kein (angehender) Fotograf drumherum kommt. Es geht um Blende, Verschlusszeit und ISO. Was das genau ist und welchen Einfluss diese drei Werte auf deine Bilder haben, gibt es in diesem Artikel in einer kompakten Übersicht und einfach erklärt.

Vergiss den Automatikmodus, ab jetzt wird fotografiert!

Die Kamera stellt alles selbst ein, sodass das fertige Bild möglichst korrekt belichtet ist. Klingt sehr bequem, oder? Und auch durch die Smartphone-Fotografie sind wir es ja mittlerweile gewohnt, dass wir nur den Auslöser drücken müssen und dennoch ein (meist) sehr gutes Ergebnis bekommen.

Sobald aber schwierige Lichtverhältnisse herrschen oder du es mit Motiven in Bewegung zu tun hast, stößt der Automatikmodus (Modus P) an seine Grenzen.

Wenn du dich aber wirklich kreativ ausleben willst, kommst du nicht drumherum, deine Kamera selbst einzustellen. Als Einsteiger musst du aber nicht ausschlieĂźlich und komplett manuell (Modus M) fotografieren – das machen selbst die wenigsten Profis. Blendenpriorität (Modus A oder Av) oder Zeitpriorität (Modus S) sind fĂĽr die meisten Anwendungsfälle ausreichend (mehr dazu an anderer Stelle im Details). Was Blende, Verschlusszeit und ISO eigentlich sind und wie du sie fĂĽr bessere Fotos nutzt, das schauen wir uns gleich an.

Zuvor noch ein kleiner Exkurs zu den Kameramodi, da dies oft fĂĽr Verwirrung sorgt:

  • Modus M: Manueller Modus. Blende und Zeit mĂĽssen manuell eingestellt und abgestimmt werden.
  • Modus A bzw. Av: Zeitautomatik bzw. Blendenpriorität. Der Fotograf stellt die Blende manuell ein und die Verschlusszeit wird von der Kamera automatisch errechnet. (Das A steht fĂĽr aperture, die englische Bezeichnung der Blende.)
  • Modus S: Blendenautomatik bzw. Zeitpriorität. Der Fotograf stellt die Verschlusszeit manuell ein und die benötigte Blendenöffnung wird von der Kamera automatisch berechnet.
  • Modus P: Programmautomatik. Zeit und Blende werden von der Kamera automatisch eingestellt.

Die Blende

Als Blende bezeichnet wird die hintere Öffnung des Kameraobjektivs. Durch die manuelle Einstellung kannst du regeln, wie viel Licht auf den Sensor der Kamera fällt und wie scharf der Hintergrund deines Motives aufgenommen wird.

Die Blende wird angegeben als f/zahl (f = fokus). Die Angabe der Blendenzahl fĂĽhrt jedoch bei Einsteigern oft zu Verwirrung, denn:

  • Eine kleine Blendenzahl steht fĂĽr eine groĂźe Blendenöffnung (z.B. f/2.8) = viel Licht wird aufgenommen = unscharfer Hintergrund.
  • Eine groĂźe Blendenzahl steht fĂĽr eine kleine Blendenöffnung (z.B. f/16) = wenig Licht wird aufgenommen = scharfer Hintergrund.

Mit der Blende kannst du demnach nicht nur deine Kamera auf diverse Lichtverhältnisse einstellen, sondern auch die Schärfentiefe regeln und diese als Stilmittel für deine Bilder einsetzen.

Die Verschlusszeit

Die Verschlusszeit wird auch als Belichtungszeit bezeichnet. Sie gibt an, wie lange Licht auf den Sensor deiner Kamera fällt, wenn du den Auslöser drückst und wie viel Bewegungsunschärfe dein Bild bekommt.

Die Verschlusszeit wird angegeben in Sekunden bzw. Sekundenbruchteilen und mit SS (= shutter speed) auf dem Kameradisplay angezeigt. Stellst du die Verschlusszeit beispielsweise auf 10, ist damit eigentlich 1/10 Sekunde gemeint. In diesem Fall wird beim Drücken des Auslösers für die Zeit von einer Zehntel Sekunde Licht aufgenommen.

  • Kurze Verschlusszeit = wenig Licht wird aufgenommen = Motiv wird „eingefroren“ (z.B. 1/1000 Sekunde)
  • Lange Verschlusszeit = viel Licht wird aufgenommen = Motiv bekommt Bewegungsunschärfe (z.B. 2 Sekunden)

Über die Verschluss- bzw. Belichtungszeit kannst du also ebenfalls deine Kamera auf diverse Lichtverhältnisse einstellen. Zudem kannst du einstellen wie die Bewegung des Motives eingefangen wird.

kurze Verschluss
kurze Verschlusszeit – friert den Moment ein
lange Verschlusszeit
lange Verschlusszeit – erzeugt Bewegungsunschärfe

Je länger die Verschlusszeiten ist, desto sensibler wird auch die Kamera. Aus der Hand zu fotografieren ist dann kaum noch möglich, da die Bilder verwackeln. Hier brauchst du dann ein Stativ oder zumindest einen ruhigen Untergrund, beispielsweise eine Mauer, auf der du die Kamera ablegen kannst.

Der ISO

Der ISO-Wert steht für die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors. Je höher du diesen Wert einstellst, desto kleiner kann die Blendenöffnung sein bzw. desto kürzer kannst du die Verschlusszeit einstellen. Das gibt dir vor allem be schlechten Lichtverhältnissen mehr Spielraum.

Exkurs: ISO steht fĂĽr International Organization for Standardization, ein Zusammenschluss nationaler Normierungsorganisationen, ĂĽber den die Lichtempfindlichkeit der Filme einheitlich festgelegt wurde. Das deutsche Pendant ist die DIN (Deutsche Industrie Norm).

Der ISO wird in ganzen Zahlen angegeben. Hier ein Beispiel für eine ISO-Reihe: 100, 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400. Die Endwerte liegen bei modernen Profikameras noch deutlich höher.

ISO Bildrauschen

Es gibt allerdings auch Nachteile. Wird der ISO-Wert zu weit hochgedreht, kann Bildrauschen entstehen. Ab welchem Wert dies passiert, ist bei jeder Kamera unterschiedlich. GĂĽnstige Kompaktkameras rauschen bereits ab Werten um 800, wohingegen Profikameras auch mit vierstelligen Bereichen noch gut klarkommen. Probiere am Besten selbst einmal aus, wie weit du bei deiner Kamera gehen kannst.

Bildrauschen muss aber nicht immer schlecht sein, es kann auch ganz gezielt als Stilmittel eingesetzt werden.

Blende, Verschlusszeit und ISO gezielt einsetzen

Die nachfolgende Grafik zeigt das, was ich mit Worten versucht habe zu beschreiben, noch einmal auf einen Blick:

Blende Verschlusszeit und ISO im Ăśberblick
Foto Cheatcard von Daniel Peters. Lizenziert unter CC BY-ND 4.0 ĂĽber Creative Commons.

Egal, ob du die Fotografie nur als Ausgleich und Hobby siehst, oder mit deinen Fotos Geld verdienen willst – Die Fotografie-Basics zu kennen gibt dir deutlich mehr Sicherheit und gestalterischen Spielraum. Mit allen drei Parametern Blende, Verschlusszeit und ISO bekommst du volle Kontrolle ĂĽber deine Kamera. Im Kern regeln sie alle eines – wie viel Licht fĂĽr die Aufnahme genutzt werden soll. Jeder Wert hat aber noch eigene Stärken und Möglichkeiten fĂĽr die Bildgestaltung: Gib deinen Bildern ĂĽber die Blende durch Unschärfe ein schönes Bokeh, friere ĂĽber eine kurze Verschlusszeit den Moment ein oder gib deinen Fotos eine interessante Stimmung durch bewusstes Bildrauschen ĂĽber den ISO. All das ist mit manuellen Einstellungen möglich.

Also, wie Anfangs schon erwähnt – vergiss den Automatikmodus, ab jetzt wird fotografiert!

Tipp: Das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO direkt ausprobieren, zum Beispiel mit einem unserer Fotoprojekte fĂĽr Zuhause. Wenn du dich (zuhause) noch intensiver mit der Fotografie auseinandersetzen willst, ist vielleicht auch ein Online-Fotokurs etwas fĂĽr dich.