Wer gute Bilder machen will, braucht nicht unbedingt eine teure Spiegelreflexkamera oder besonders professionelles Equipment. Mit der Immer-dabei-Kamera im Handy kannst du bereits gute Ergebnisse erzielen, die mit einigen Tipps und Gadgets sogar noch besser werden. Wie du beim Fotografieren mit dem Smartphone noch mehr aus deinen Bildern herausholst, erfÀhrst du in diesem Beitrag.

Allgemeine Tipps fĂŒr gute Handyfotos

Wenn du gute Fotos machen willst, kommt es nicht (nur) auf die QualitĂ€t der Kamera an, auch Bildkomposition und ein gutes Auge fĂŒr schöne Details sind wichtige Zutaten fĂŒr ein perfektes Foto. Aber genug philosophiert – schauen wir uns nun mal einige Stellschrauben an, mit denen du mehr aus deinen Bildern machst.

Kenne dein Handy und seine Möglichkeiten

Die Überschrift klingt eigentlich banal, dennoch wissen viele Handyfotografen gar nicht, was ihre GerĂ€te alles können und wo die Grenzen sind.

12 Megapixel Dual‑Kamera mit Weitwinkel- und Teleobjektiv und 10x digitalem Zoom“

– das wĂ€re zum Beispiel ein Satz, den ich ĂŒber die Kamera meines mittlerweile nicht mehr ganz neuen iPhone Xs schreiben könnte. Jedoch bringen mir oder auch dir diese Daten nur bedingt etwas. Viel wichtiger ist es doch zu wissen, wo die echten Grenzen liegen und welche Funktionen die eigene Handykamera an Board hat.

  • Wie weit kann ich den digitalen Zoom ausreizen, ohne ein unscharfes Bild zu bekommen?
  • Welche Kameramodi bietet das Handy und gibt es von Hause aus Möglichkeiten, etwas manuell einzustellen?
  • Wie gut werden meine Fotos bei unterschiedlichen LichtverhĂ€ltnissen?

Das sind nur einige Fragen, die ich mir bei einem neuen Handy stellen wĂŒrde.

Wie gut kennst du dein Smartphone bereits? Bringe die Kamera doch einmal bewusst an seine Grenzen, so findest du am schnellsten heraus, was dein Handy kann und wie du auf bestimmte Situationen reagieren musst. Zudem bieten so ziemlich alle modernen Smartphones, die ich in den letzten Jahren in den HĂ€nden hatte, unzĂ€hlige Funktionen bzw. Einstellmöglichkeiten fĂŒr die Kamera. Wer also einfach nur drauflosknipst, verschenkt womöglich Potenzial.

Ein Beispiel in eigener Sache:

Mit meinem zuvor erwĂ€hnten iPhone Xs bzw. mit allen nicht all zu alten Smartphones aus dem Hause Apple, kannst du sogenannte Live-Fotos aufnehmen (kannst du oben rechts in der Kamera-App aktivieren). Wenn Live eingeschaltet ist, werden kurze Bewegungssequenzen von der Kamera mit aufgenommen, sodass ein lebendiger Effekt entsteht. „Schöne Spielerei“ dachte ich frĂŒher immer, bis ich vor einiger Zeit herausgefunden habe, dass man Live-Bilder anschließend auch mit weiteren Effekten versehen kann, wie Endlosschleife oder eben auch Langzeitbelichtung (beim aufgenommenem Bild von der Mitte nach oben wischen, dort findest du die Effekte).

So wurde aus dem 99. Wasserfall-Bild aus Thailand plötzlich doch noch ein professioneller wirkendes Foto.

Fotografieren mit dem Smartphone – Tipps und Gadgets fĂŒr bessere Handyfotos | 99 pictures

Achte auf gestalterische Grundlagen

Auch wenn das Fotografieren mit dem Smartphone deutlich einfacher erscheint als mit einer Spiegelreflex- oder spiegellosen Systemkamera, solltest du dich an die gleichen gestalterischen Regel halten, um gute Bilder zu produzieren.

Die Begriffe Goldener Schnitt oder Drittelregel hast du wahrscheinlich schon einmal gehört. Sie gehören zu den wichtigsten Basics in der Bildgestaltung. DafĂŒr mĂŒssen wir an dieser Stelle auch gar nicht zu tief in die Mathematik einsteigen. Die wichtigste Aussage ist: Wenn du ein paar einfache Grundregeln hĂ€ltst, wirken deine Bilder harmonischer und professioneller.

Goldener Schnitt Raster

Bei der zuvor erwĂ€hnten Drittelregel stellst du dir beispielsweise auf deinem Display ein Raster von 3×3 (also 9) Rechtecken vor – oder lĂ€sst dir dieses Raster als Hilfsmittel direkt anzeigen, das können die meisten Handys – und richtest dann die Hauptelemente deines Bildes an den Linien aus bzw. platzierst sie auf den Schnittpunkten zweier Linien.

Somit ist dein Hauptmotiv dann nicht mittig, sondern leicht horizontal oder vertikal versetzt und wirkt harmonischer. Achte ebenso darauf, dass du bei Landschaftsaufnahmen den Horizont nicht mittig, sondern im oberen oder unteren Drittel des Bildes platzierst und immer (!) gerade ausrichtest.

Die Drittelregel passt natĂŒrlich nicht immer und zu jedem Bild. Probiere dich einfach mal aus, dann bekommst du schnell ein GefĂŒhl dafĂŒr.

Durchdenke dein Motiv

Du willst bessere Fotos machen und nicht einfach nur knipsen? Dann gehört auch eine kurze VorĂŒberlegung dazu, bevor die die Kamera auf das Motiv hĂ€ltst und abdrĂŒckst.

  • Soll ich im Hochformat oder Querformat aufnehmen?
  • Welches Detail soll im Vordergrund stehen?
  • Wie schaffe ich auch einen schönen Hintergrund?
  • Welche Perspektive passt am besten und wo stelle ich mich dafĂŒr hin?
  • Passt ein Schwarzweiß-Foto oder eine Aufnahme in HDR vielleicht besser zu meiner Szene?

Wenn du dir im Vorfeld ein paar Gedanken machst und Zeit nimmst, sparst du nicht nur wertvollen Speicherplatz auf dem Handy – z.B. durch all die sinnlosen Bilder, die du nicht machst – sondern bist auch mehr im Moment, achtest auf die kleinen Details und schulst dein fotografisches Auge.

Brauchst du ein paar Fotos fĂŒr deinen Instagram-Account? Dann ist das Hochformat evtl. besser geeignet. Möchtest du das Motiv spĂ€ter in der Bildbearbeitung freistellen? Dann nimmt dir ein kontraststarker Hintergrund bereits im Vorfeld Arbeit ab. Suche von nun an also nach schönen Szenen und ĂŒberlege dir, wie das fertige Bild aussehen soll und wofĂŒr du es verwenden willst.

Stabilisiere das Handy mit beiden HĂ€nden

Wenn die Situation es zulĂ€sst, gilt wie bei der richtigen Kamera auch – „nutze beide HĂ€nde zum Fotografieren“. Vor allem, wenn du zoomst oder bei schwachem Licht fotografierst, unterstĂŒtzt du so die Kamera bestmöglich und vermeidest Verwacklungen und unscharfe Bilder, die du sonst oft erst spĂ€ter auf dem Computer oder dem Ausdruck siehst. Zudem kannst du mit beiden HĂ€nden die Bildelementente deutlich besser ausrichten. Gewöhne dir daher an, dir einen Moment mehr Zeit zu nehmen, das Handy mit beiden HĂ€nden zu halten, ausreichend zu fokussieren und erst dann abzudrĂŒcken.

Fotografieren mit dem Smartphone und externem Zubehör

Wenn dir das Fotografieren mit dem Smartphone Spaß macht und du noch ein bisschen mehr herausholen willst – oder einfach auf Gadgets stehst, so wie ich – dann gibt es noch ein paar zusĂ€tzliche Tools, mit denen du noch mehr Möglichkeiten hast und zusĂ€tzlich den Spaßfaktor erhöhen kannst.

Handystativ

Bei der echten Kamera gehört ein Stativ zum Standardequipment. Jeder Fotograf, ob Amateur oder Profi, hat wahrscheinlich mindestens eines zuhause. Warum also beim Handy auf ein Stativ verzichten? Ein Handystativ kannst du beispielsweise nutzen, um auch bei wenig Licht noch scharfe Bilder hinzubekommen. Auch fĂŒr Selbstportraits ist es eine feine Sache. Zudem ist ein Handystativ klein, handlich und fĂ€llt kaum ins Gewicht. Macht sich also auch gut als Gadget fĂŒr die nĂ€chste Reise.

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Fernauslöser

Ein Fernauslöser ist vor allem in Kombination mit einem Stativ ein gutes Gadget. So kannst du auf den Selbstauslöser verzichten und hast mehr Zeit, dein Selbstportrait oder Gruppenfoto vorzubereiten. Denn wer kennt ihn nicht – den Fotografen, der in der letzten Sekunde noch ins Bild springt 😉

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Wenn du dir einen Fernauslöser fĂŒrs Handy zulegen willst, dann checke aber vorher auch, ob du ĂŒberhaupt ein externes GerĂ€t kaufen musst. Viele Handy-Kameras lassen sich mittlerweile auch ĂŒber eine Smartwatch oder ein Fitness-Armband auslösen. Das geht selbst mit gĂŒnstigen GerĂ€ten wie dem Mi Band.

Smartphone-Gimbal

Ein Gimbal bietet optimale Stabilisierung beim Filmen oder Fotografieren mit dem Smartphone. Vor allem bei Videoaufnahmen macht so ein Gadget richtig Spaß. Du kannst damit beispielsweise Motive automatisch verfolgen, weich schwenken und zoomen oder diverse Effekte nutzen. Auch eine freihĂ€ndige Nutzung mittels Gestensteuerung ist möglich. Du kannst den Gimbal auch wie einen Selfie-Stick benutzen und dich selbst fotografieren oder filmen.

Wenn du dir einen Gimbal zulegen willst, empfehle ich dir die GerĂ€te von DJI. Der Osmo Mobile ist besonders handlich und nicht so schwer wie vergleichbare GerĂ€te. Die zugehörige App bietet zudem noch einiges an Funktionen und Spielereien, wie den Videoeditor oder einen Storymodus, ĂŒber den sich vor allem fĂŒr Vlogger und Social Media Fans freuen werden.

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Wasserdichtes Case

Vielleicht mehr Spielerei als Gadget ist eine wasserdichte HandyhĂŒlle. Damit kannst du dein Smartphone sorgenfrei am oder im Pool benutzen und sogar Unterwasser fotografieren. Zudem ist so eine HĂŒlle eine gute Idee, wenn du beispielsweise einen Boottrip machst, am Strand liegst oder im Regen unterwegs bist und dabei dein Handy vor Wasser oder Staub schĂŒtzen willst.

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Smartphone-Handschuhe

Viel zu erklĂ€ren gibt es hier nicht. FĂŒr sicheren Halt an kalten Tage sind Smartphone-Handschuhe einfach eine tolle Sache. Wer schon einmal bei Minusgraden versucht hat, lĂ€ngere Zeit sein Handy in der Hand zu halten und dabei noch zu fotografieren, weiß was ich meine. Mit normalen Handschuhen lĂ€sst sich der Touchscreen allerdings nicht richtig bedienen. Handschuhe, die fĂŒr die Handynutzung gemacht sind, haben ein spezielles Material an den Fingerspitzen, mit dem dein Handydisplay auch trotz Handschuh reagiert. Zudem gibt es sie mittlerweile in allem möglichen Farben und AusfĂŒhrungen. Ein Must Have fĂŒr die Wintermonate.

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Fotos direkt auf dem Smartphone bearbeiten

Tipps und Gadgets fĂŒr tolle Fotos hast du nun reichlich bekommen. Du kannst aber nicht nur Fotografieren mit dem Smartphone, sondern deine Bilder auch direkt mobil bearbeiten. Es gibt einige sehr gute und kostenlose Apps, die sogar Bearbeitung im RAW-Modus beherrschen. Zwei großartige Apps stelle ich dir nachfolgend vor:

Adobe Lightroom

FĂŒr die Bildbearbeitung am Computer ist die Adobe Creative Cloud mit Lightroom und Photoshop seit vielen Jahren der Standard bei den Profis. Allerdings ist die Software auch nicht ganz gĂŒnstig. Umso erfreulicher also, dass du Lightroom auch am Handy nutzen kannst und dies sogar kostenlos in der Basisversion.

Adobe Lightroom App

Mit der Lightroom-App kannst du Bilder im DNG- oder JPEG-Format aufnehmen oder bereits vorhandene Bilder bearbeiten. Der Kameramodus bietet jede Menge manuelle Einstellmöglichkeiten, die auch eine professionelle Kamera bietet, wie zum Beispiel den Weißabgleich, ISO oder HDR.

Die App bietet viele Funktionen fĂŒr die Bildbearbeitung, die du auch bereits von der Desktop-Version kennst, wie Presets, Farb- und Belichtungskorrekturen und diverse Effekte. Auch super: Du kannst RAW-Dateien von deiner DSLR– oder spiegellosen Kamera importiere und in der App bearbeiten. Wenn du Lightroom bereits am Computer nutzt, wirst du die mobile Version wahrscheinlich schon intuitiv bedienen. Als Neueinsteiger kann die App aber anfangs etwas holprig sein, was auch am Funktionsumfang liegt.

➄ Lightroom im Apple App Store herunterladen
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Google Snapseed

Eine weitere tolle App, mit der du deine Bilder direkt am Handy bearbeiten kannst, ist Google Snapseed.

Google Snapseed App

Die App lÀsst sich von Beginn an intuitiv bedienen und bietet alle gÀngigen Werkzeuge und Einstellungen, um in kurzer Zeit viel aus deinen Bildern herauszuholen.

Snapseed bietet viele professionelle Tools, unter anderem Retusche-Pinsel, Filter sowie Feinabstimmungen fĂŒr die Belichtung und Farbkorrekturen. Auch mit Google Snapseed kannst du Bilder im RAW-Format öffnen und bearbeiten. Nach dem Bearbeiten kannst du die Dateien dann entweder als editierbare Datei (oder Kopie) auf dem Handy speichern oder als JPEG exportieren.

Die Snappseed-App ist komplett kostenlos und besonders Einsteigerfreundlich gestaltet, was allerdings dem Umfang der Funktionen nicht schadet.

➄ Snapseed im Apple App Store herunterladen
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Fazit: Fotografieren mit dem Handy

Das Smartphone ist unsere Kamera im Hosentaschenformat. WĂ€hrend man noch vor einigen Jahren doch lieber zusĂ€tzlich eine kleine Digitalkamera eingepackt hat, können es die modernen Handys heute locker mit ihnen aufnehmen. Wenn du etwas Zeit und MĂŒhe in deine Bilder steckst und zudem ein paar Basics beachtest, kannst du durchaus professionelle Ergebnisse erzielen und vielleicht auch deine Bilder zu Geld machen. Mit zusĂ€tzlichen Gadgets hast du darĂŒber hinaus noch mehr Spaß beim Fotografieren mit dem Handy und holst das beste aus deiner Immer-dabei-Kamera heraus.

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